Der Werkblock „What happens to Banana“ von Thomas Baumgärtel besteht aus Fotografien, die dokumentieren, was mit seiner ikonischen gesprühten Banane im öffentlichen Raum geschieht, nachdem sie an Kunstorten angebracht wurde. Baumgärtel, der seit den 1980er-Jahren Museen, Galerien und andere Orte der Kunst mit der Schablone einer gelben Banane markiert, interessiert sich dabei nicht nur für das ursprüngliche Graffito, sondern vor allem für dessen weitere Entwicklung im Stadtraum. Die Fotografien zeigen daher die Banane nicht im Moment ihres Entstehens, sondern in einem späteren Zustand, nachdem andere Akteure auf sie reagiert haben.
Die Bilder halten unterschiedliche Formen der Veränderung fest: Andere Sprayer ergänzen das Motiv mit Figuren, Schriftzügen oder Symbolen und treten damit in einen visuellen Dialog mit dem ursprünglichen Zeichen. Teilweise entstehen humorvolle Szenen oder kleine Bildgeschichten, in denen die Banane in neue Bedeutungszusammenhänge gestellt wird. In anderen Fällen wird das Motiv überschrieben, übermalt oder beschädigt, sodass nur Fragmente übrig bleiben. Solche Eingriffe machen die Vergänglichkeit und Konkurrenz verschiedener Zeichen im urbanen Raum sichtbar. Auch physische Veränderungen treten auf, etwa durch Aufkleber, Klebeband oder andere Materialien, die das Bild überdecken oder erweitern. Darüber hinaus dokumentieren die Fotografien Spuren von Zeit und Umwelt – verwitterte Farbe, abgeblätterte Oberflächen oder Verschmutzungen –, die das Motiv ebenfalls verändern. Auf den Bildtafeln der Serie sind zahlreiche Varianten dieser Prozesse zu sehen, bei denen die Banane durch Übermalungen, Ergänzungen oder grafische Transformationen immer wieder neue Formen annimmt.
Durch diese dokumentarische Herangehensweise verschiebt sich der Fokus des Werkblocks vom einzelnen Graffiti zum Prozess seiner Weiterentwicklung. Die Banane fungiert dabei als Ausgangspunkt für kommunikative und kreative Reaktionen im öffentlichen Raum. Sie wird zu einem offenen Zeichen, das von unterschiedlichen Personen aufgegriffen, verändert oder kommentiert werden kann. „What happens to Banana“ macht damit sichtbar, dass Street Art kein statisches Kunstwerk ist, sondern ein dynamischer Prozess kollektiver Bildproduktion, bei dem Bedeutung, Form und Zustand eines Motivs ständig im Wandel sind.