Porträts

Psychologische Präsenz

Die Werkgruppe „Portraits“ von Thomas Baumgärtel verbindet realistische Erkennbarkeit mit künstlerischer Überformung und betont die psychologische Präsenz der Dargestellten innerhalb einer oft monochromen, gelb dominierten Bildwelt. Sie oszilliert zwischen präzisem Zeichnen, popästhetischer Farbigkeit und konzeptueller Verdichtung und erweitert Baumgärtels Werk über seine Street-Art-Praxis hinaus zu einer eigenständigen Position im zeitgenössischen Portrait.
Die Werkgruppe Politische Arbeiten wird an diesem Kunstort ausgestellt sein
Die Werkgruppe nimmt innerhalb des Œuvres von Baumgärtel eine zentrale und kontinuierlich gewachsene Stellung ein. Bereits lange vor seinem Kunststudium entwickelte Baumgärtel eine außergewöhnliche zeichnerische Disziplin: Über Jahre hinweg zeichnete er nahezu täglich und war schon zu diesem frühen Zeitpunkt in der Lage, Menschen frei und fotorealistisch zu porträtieren – ohne direkte Vorlage.
Aus dieser frühen Praxis entstand ein bis heute fortgeführter Werkblock, der inzwischen rund 300 Portraitarbeiten umfasst. Die Werke entstehen auf Leinwand, Metalluntergründen oder Holz und variieren bewusst in Technik, Farbigkeit und Oberflächenwirkung.
Charakteristisch für die Portraits ist das Spannungsfeld zwischen realistischer Erkennbarkeit und künstlerischer Überformung. Viele Arbeiten sind von Baumgärtels ikonischer gelber Farbwelt geprägt, die häufig als monochromer Bildraum fungiert. Innerhalb dieses Raumes treten die Gesichter mit hoher Präsenz hervor – teils detailreich ausgearbeitet, teils fragmentiert oder grafisch reduziert. Die Farbe Gelb wirkt dabei nicht dekorativ, sondern als konzeptuelles Mittel, das Aufmerksamkeit bündelt, Emotionalität verstärkt und zugleich eine visuelle Klammer innerhalb der Serie bildet.
Inhaltlich widmet sich Baumgärtel sowohl historischen Persönlichkeiten, Kulturschaffenden und politischen Figuren als auch Zeitzeugen, Sammlern und Personen aus seinem persönlichen Umfeld. Die Portraits sind dabei weniger klassische Repräsentationsbilder als vielmehr psychologisch aufgeladene Bildnisse, die Haltung, Aura und individuelle Präsenz betonen.
Ein besonderer kunsthistorischer Bezugspunkt innerhalb der Werkgruppe entstand im April/Mai 2023, als Baumgärtel zwei Portraits des Sammlerpaars Irene und Peter Ludwig für das Ludwigmuseum Schloss Oberhausen anfertigte. Mit diesen Arbeiten schlägt der Künstler eine direkte Brücke zwischen seiner eigenen künstlerischen Position und der Sammlungsgeschichte eines der bedeutendsten Mäzenenpaare der deutschen Nachkriegskunst.
Insgesamt zeigt die Werkgruppe „Portraits“ Thomas Baumgärtel nicht nur als den international bekannten „Bananensprayer“, sondern als hochpräzisen Zeichner und Portraitkünstler, dessen Arbeiten zwischen Realismus, Popästhetik und zeitgenössischer Ikonografie oszillieren.