Landschaften

Bildtradition, Pop und Gegenwart

Die Werkgruppe „Landschaften“ nimmt im Œuvre von Thomas Baumgärtel eine besondere Stellung ein, da sie biografische Prägung, kunsthistorische Tradition und zeitgenössische Bildsprache miteinander verschränkt. Bereits im Alter von acht Jahren beginnt Baumgärtel, in den Urlauben mit seinem Vater Landschaften in Öl zu malen. Diese frühen Erfahrungen – das gemeinsame Malen, das genaue Sehen, das Übersetzen von Natur in Bild – bilden ein Fundament, das sich bis in sein heutiges Werk hinein fortschreibt.
Gleichzeitig stehen Baumgärtels Landschaften in einem bewussten Dialog mit der Geschichte der Landschaftsmalerei: von der romantischen Naturerfahrung über impressionistische Farbigkeit bis hin zu popkultureller Überschreibung. Wälder, Berge, Wege, Felder und Horizonte sind Projektionsflächen kollektiver Bilder, Erinnerungen und Sehnsüchte – und werden durch Baumgärtels spezifische Farbigkeit, Rasterungen, Überlagerungen und Eingriffe in die Gegenwart überführt.
Seit 2013 arbeitet Baumgärtel gemeinsam mit Harald Klemm intensiv zum Thema Landschaft. In den Gemeinschaftsarbeiten verdichten sich unterschiedliche künstlerische Handschriften zu komplexen Bildräumen, in denen sich Malerei, Sprühkunst, Grafik, Pop-Ästhetik und politische Subtexte überlagern. Die Ausstellung „POP ART IN DEUTSCHER LANDSCHAFT“ (Raab Galerie Berlin, 2017) machte diesen Ansatz erstmals in größerem Umfang sichtbar.
Baumgärtels Landschaften sind damit keine Rückkehr zur traditionellen Naturmalerei, sondern deren zeitgenössische Transformation. Sie verbinden malerische Geste und serielle Struktur, expressive Farbigkeit und grafische Ordnung, subjektive Wahrnehmung und kollektives Bildgedächtnis. In der Überlagerung von Naturmotiv, Pop-Zitat und künstlerischer Handschrift entsteht eine Landschaft, die weniger Abbild als Bedeutungsträger ist – ein Raum, in dem sich Geschichte, Gegenwart und Haltung des Künstlers einschreiben.
Die Werkgruppe Lanschaften wird an diesem Kunstort ausgestellt sein