Könige der Herzen

Künstlerischer Dialog

Die Werkgruppe „Könige der Herzen“ vereint seit 1998 die Künstler Thomas Baumgärtel, Thitz und M.S. Bastian in einem kollaborativen Projekt, das weniger durch einen einheitlichen Stil als durch eine gemeinsame poetische Haltung geprägt ist. Ihre unterschiedlichen Bildsprachen treten in einen dialogischen Austausch und erschaffen eine spielerische, von Pop-, Comic- und romantischen Kunstvorstellungen geprägte Bildwelt, die zugleich Fragen nach Autorschaft und Künstlerrolle reflektiert.

Die Werkgruppe Könige der Herzen wird an diesem Kunstort ausgestellt sein
Die Werkgruppe „Könige der Herzen“, die Thomas Baumgärtel, Thitz und M.S. Bastian seit 1998 unter einem gemeinsamen Label vereinen, stellt ein bemerkenswertes Beispiel für eine kollaborative Künstlerposition dar, die weniger auf stilistische Homogenität als auf eine geteilte künstlerische Haltung zielt. Trotz ihrer unterschiedlichen Arbeitsorte, Medien und Ausdrucksformen formieren sich die drei Künstler in einem bewusst gewählten, poetisch aufgeladenen Selbstverständnis als „Könige“, das nicht im Sinne von Hierarchie oder Autorität zu lesen ist, sondern als programmatische Metapher für eine souveräne, imaginative Weltschöpfung durch Kunst. Bereits im ersten Manifest, dem goldgebundenen Künstlerbuch von 1998, wird diese Grundhaltung formuliert, wenn Otto Pannewitz die „Könige der Herzen“ als jene beschreibt, die „mit ihrem Tun eine Welt schaffen, die verzaubert, die gefangen nimmt“. Damit ist ein romantisch konnotiertes Kunstverständnis benannt, das Emotionalität, Imagination und poetische Verdichtung in den Mittelpunkt rückt.
Kunsthistorisch lässt sich die Werkgruppe im Spannungsfeld von Neo-Pop, Comic-Ästhetik, Outsider-Art-Anklängen und postkonzeptueller Künstlerkooperation verorten. Baumgärtels ikonische Banane als ironisches Signet der Kunstinstitution, Bastians dichte, comicartige Bildnarrationen und Thitz’ reduzierte, zeichnerische Figuren- und Objektwelten bleiben in den gemeinsamen Präsentationen klar unterscheidbar. Gerade diese stilistische Divergenz ist jedoch konstitutiv für das Projekt: Die Werkgruppe funktioniert nicht als kollektive Stilfusion, sondern als dialogisches Gefüge individueller Handschriften. Die additive Struktur vieler Arbeiten und Präsentationen – oft in Form von Künstlerbüchern, Serien, installativen Arrangements oder gemeinschaftlichen Ausstellungen – erzeugt eine polyphone Bildsprache, in der unterschiedliche visuelle Idiome nebeneinander bestehen und sich gegenseitig kommentieren.
Ikonografisch entfaltet sich in den „Königen der Herzen“ ein wiederkehrendes Repertoire an Zeichen, Figuren und Symbolen, das zwischen kindlich-naiver Zeichensprache, popkulturellen Referenzen und poetischer Allegorie oszilliert. Herzen, hybride Figuren, humorvolle Chiffren wie die Banane sowie narrative Bildfelder mit skizzenhaften, oft anthropomorphen Wesen bilden einen gemeinsamen ikonischen Kosmos, der weniger auf lineare Erzählung als auf assoziative Verdichtung angelegt ist. Die visuelle Oberfläche erscheint dabei häufig collageartig, farbintensiv und bewusst spielerisch, was eine ästhetische Nähe zu subkulturellen Bildtraditionen, zur Comic-Kunst und zu einer erweiterten Zeichnungspraxis erkennen lässt.
Gleichzeitig artikuliert die Werkgruppe eine kritische Reflexion über Autorschaft und Künstlerrolle. Indem sich drei autonome Künstler dauerhaft unter einem gemeinsamen Label versammeln, wird das Konzept der singulären Genialität relativiert und durch eine Form kollektiver Mythologisierung ersetzt. Der Titel „Könige der Herzen“ fungiert dabei als performative Selbstinszenierung, die romantische Künstlerbilder ironisch aufruft und zugleich transformiert. Die Gruppe erschafft so nicht nur einzelne Werke, sondern einen fortlaufenden künstlerischen Zusammenhang, der Manifest, Bildproduktion und Ausstellungsstrategie miteinander verschränkt.
Insgesamt erscheint „Könige der Herzen“ als ein langfristig angelegter künstlerischer Dialog, der Differenz produktiv macht und eine gemeinsame poetische Haltung über formale Einheit stellt. Die Werke erzeugen eine verzaubernde, bisweilen überbordende Bildwelt, die emotional zugänglich und zugleich reflektiert ist. Damit positioniert sich die Werkgruppe bewusst jenseits streng konzeptualistischer oder marktstrategischer Kunstmodelle und knüpft stattdessen an ein romantisch verstandenes Kunstideal an, in dem Imagination, Ironie und spielerische Weltentwürfe als zentrale künstlerische Qualitäten erscheinen.