Die Werkgruppe zeigt, wie alltägliche Gegenstände zu Trägern von Bedeutung werden können. Ausgangspunkt sind einfache Behälter – Holzkisten, Metallboxen, Koffer oder Verpackungen –, die ursprünglich zum Aufbewahren, Transportieren oder Schützen gedacht sind. Baumgärtel greift diese Dinge auf, verändert sie durch Übersprühen, Bemalen oder Bekleben und verschiebt sie so aus ihrem gewohnten Zusammenhang. Dadurch verlieren sie ihre rein praktische Funktion und werden zu eigenständigen Bildträgern.
Inhaltlich spielen die Objekte mit Vorstellungen von Archiv und Sammlung: Kisten bewahren etwas auf, schließen etwas ein, machen Inhalte unsichtbar. Gleichzeitig verweisen sie auf Bewegung und Austausch, weil sie für Transport stehen. Baumgärtel nutzt diese Mehrdeutigkeit gezielt. Seine Eingriffe – oft mit einfachen, wiederkehrenden Motiven – legen neue Bedeutungsschichten über die vorhandenen Spuren der Nutzung. Gebrauchsspuren, Kratzer oder Aufdrucke bleiben sichtbar und erzählen weiterhin von der früheren Funktion.
So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Alltagsobjekt und Kunstwerk. Die Kisten sind weder vollständig „verwandelt“ noch bleiben sie bloße Gebrauchsgegenstände. Vielmehr zeigen sie, wie Bedeutung sich verschiebt: Das Verbergen wird sichtbar gemacht, das Aufbewahren wird zum Thema, und der scheinbar banale Gegenstand wird zum Träger von Erinnerungen, Zeichen und Botschaften.