Die Arbeiten greifen damit auf die Tradition der kinetischen Kunst zurück, die seit den 1950er und 1960er Jahren Bewegung als konstitutiven Bestandteil der Skulptur begreift. In Baumgärtels Interpretation wird diese Bewegung jedoch nicht ausschließlich technisch verstanden, sondern als Wahrnehmungsstrategie eingesetzt. Drehungen, Pendelbewegungen, schwebende Konstruktionen oder mechanische Arrangements erzeugen wechselnde Ansichten der Banane und verändern ihre visuelle Erscheinung kontinuierlich. Der Betrachter erlebt das Motiv nicht als festgelegtes Bild, sondern als Prozess, der sich im Raum entfaltet und erst durch die zeitliche Erfahrung vollständig erschließt.
Dabei entstehen hybride Formen zwischen Objekt, Skulptur und Installation. Spiegelungen, rotierende Konstruktionen, fragile Drahtsysteme oder modulare Mechaniken erzeugen Situationen, in denen die Banane scheinbar schwebt, sich vervielfacht oder ihre Form transformiert. Diese Bewegungsabläufe erzeugen eine permanente Verschiebung zwischen Stabilität und Instabilität, zwischen klarer Form und flüchtigem Eindruck. Bewegung fungiert somit als semantischer Träger: Sie verweist auf Veränderung, Wahrnehmungsrelativität und die Prozesshaftigkeit von Bedeutung.
Gleichzeitig erweitert Baumgärtel damit sein künstlerisches Vokabular um eine performative Komponente. Die kinetischen Objekte sind nicht nur Skulpturen, sondern Ereignisse im Raum, die durch Bewegung aktiviert werden. Der Betrachter wird zum Teil eines Wahrnehmungsprozesses, in dem sich Bild, Raum und Zeit gegenseitig beeinflussen. Die Banane – ursprünglich ein subversives, humorvolles Zeichen innerhalb der Street Art – wird so zu einem beweglichen Symbol, das zwischen Ironie, ikonischer Wiedererkennbarkeit und kunsthistorischer Reflexion oszilliert.
In dieser Werkgruppe transformiert Baumgärtel sein bekanntes Motiv in eine zeitbasierte Skulptur, die Fragen nach Wahrnehmung, Dynamik und Bedeutungsproduktion stellt. Bewegung wird nicht nur zum formalen Mittel, sondern zum zentralen Bedeutungsträger: Die Banane existiert hier nicht mehr als festes Bild, sondern als kontinuierlich wandelnde Erscheinung im Spannungsfeld von Mechanik, Raum und Betrachter.