Objekte

Verwandelter Alltag

Die Werkgruppe „Objekte“ von Thomas Baumgärtel umfasst besprühte Alltagsgegenstände – von Möbeln, Automaten und Fahrzeugen bis zu Flaschen, Instrumenten und Plastikobjekten –, die durch seine ikonische Spraybanane aus ihrem funktionalen Kontext gelöst und als Kunstwerke neu codiert werden. Neben diesen transformierten Gebrauchsobjekten gehören auch großformatige Arbeiten wie die 14 Meter lange Bananenskulptur für den Kölner Dom, eine besprühte Lokomotive, überdimensionale Spraydosen und Stahl-Spraybananen zu dieser Werkgruppe, in der Street-Art-Geste, Objektkunst und Skulptur miteinander verschmelzen.

Die Werkgruppe Objekte wird an diesem Kunstort ausgestellt sein
Die Werkgruppe nimmt im Œuvre von Thomas Baumgärtel eine zentrale Stellung ein und erweitert seine aus dem urbanen Raum bekannte Sprayästhetik in den dreidimensionalen Bereich. Seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit überträgt Baumgärtel seine ikonische Bildsprache – insbesondere die gelbe Banane als Signaturmotiv – auf reale Gegenstände des Alltags. Dabei besprüht er Tische, Stühle, Bänke, Leitern, Koffer, Kisten, Kanister, Kästen, Schubladen, Kabeltrommeln, Fässer, Gasflaschen, Säulen, Fernseher, Möbel, Fahrzeuge, Zapfsäulen, Skateboards sowie Automaten, Mülleimer, Musikinstrumente oder Schaufensterfiguren. Auch Flaschen, Verpackungen und Plastikutensilien werden zu Bildträgern. Durch diese künstlerische Intervention werden gewöhnliche Gebrauchsgegenstände ihrer rein funktionalen Bedeutung entzogen und in einen neuen ästhetischen und symbolischen Kontext überführt. Der Sprayakt – ursprünglich aus der Street Art hervorgegangen – fungiert dabei als transformative Geste, die das Objekt gleichzeitig markiert, kommentiert und in das Werkgefüge des Künstlers integriert.
Kunsthistorisch lässt sich Baumgärtels Objektpraxis in eine Tradition einordnen, die von den Readymades der historischen Avantgarde über die Objektkunst der Pop Art bis hin zu den Strategien der urbanen Kunst reicht. Ähnlich wie bei Marcel Duchamps Aneignung industrieller Gegenstände wird das Objekt nicht neu geschaffen, sondern durch künstlerische Setzung umcodiert. Baumgärtel verbindet dieses Prinzip jedoch mit der visuellen Sprache der Graffiti- und Sprühkultur. Die Banane fungiert dabei als ironisches Emblem der Freiheit und zugleich als Markenzeichen, das Orte, Institutionen oder Gegenstände symbolisch „zertifiziert“. Das Objekt wird zur Projektionsfläche für gesellschaftliche Kommentare über Konsum, Öffentlichkeit und kulturelle Institutionen.
Neben den kleineren und mittleren Alltagsobjekten umfasst die Werkgruppe auch spektakuläre Großprojekte. Dazu gehört etwa die 14 Meter lange, auffaltbare Bananenskulptur für den Kölner Dom, die die ikonische Form in monumentalem Maßstab in den Stadtraum überträgt. Ebenso Teil dieser Werkgruppe sind eine besprühte Lokomotive, der Nachbau der Installation „Ruhender Verkehr“, überdimensionale Spraydosen sowie große Spraybananen aus Stahl. In diesen Arbeiten verschiebt Baumgärtel seine künstlerische Intervention von mobilen Alltagsobjekten hin zu skulpturalen Setzungen im öffentlichen Raum. Die Objekte fungieren dabei als Schnittstelle zwischen Street Art, Installation und Skulptur und zeigen, wie sich seine ursprünglich ephemer gedachte Spraypraxis in dauerhafte plastische Formen übersetzt.
Die Werkgruppe „Objekte“ verdeutlicht somit Baumgärtels grundlegende Strategie: Durch die Kombination von ikonischer Bildmarke, Aneignung vorhandener Dinge und Intervention im öffentlichen Kontext verwandelt er alltägliche Gegenstände in humorvolle, zugleich kritisch reflektierende Kunstwerke. Die Banane wird dabei zum verbindenden visuellen Code, der unterschiedlichste Materialien, Dimensionen und Funktionen zu einem zusammenhängenden künstlerischen Kosmos vereint.