Spaten und Schaufeln

Werkzeuge als Zeichen

Die Werkgruppe „Spaten und Schaufeln“ markiert einen zentralen Komplex im Werk Baumgärtels, in dem alltägliche Arbeitsgeräte zu vielschichtigen Bedeutungsträgern transformiert werden. Spaten, Schaufeln und verwandte Werkzeuge erscheinen zunächst als funktionale Objekte körperlicher Arbeit: Sie stehen für Graben, Schaufeln, Eingreifen in den Boden – für Tätigkeiten, die unmittelbar mit Mühe, Erdverbundenheit und materieller Veränderung der Welt verbunden sind.
Durch die künstlerische Überformung verlieren diese Geräte jedoch ihre rein utilitäre Bestimmung. Baumgärtel nutzt ihre ikonische Form als Bildträger, auf denen sich Zeichen, Figuren, Schriftzüge und Symbole verdichten. So werden die Werkzeuge zu Projektionsflächen gesellschaftlicher und politischer Aussagen: Hinweise auf Machtverhältnisse, Ideologien, historische Erfahrungen oder soziale Konflikte schreiben sich in die Oberfläche der Objekte ein. Der Akt des Grabens kann dabei ebenso als Sinnbild für Zerstörung, Verdrängung oder Gewalt gelesen werden wie für Aufbau, Erinnerung und Neubeginn.
Zugleich verweisen die Arbeiten auf existenzielle Dimensionen menschlichen Handelns. Spaten und Schaufeln sind Werkzeuge des Lebensunterhalts, aber auch des Begrabens – sie oszillieren zwischen Arbeit und Endlichkeit, zwischen Schöpfung und Auslöschung. In dieser Ambivalenz entfalten sie eine besondere symbolische Spannung. Indem Baumgärtel die Grenze zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt bewusst überschreitet, macht er sichtbar, wie tief gesellschaftliche, politische und persönliche Bedeutungen in scheinbar banalen Dingen verankert sind.
Die Werkgruppe liest sich damit als Reflexion über Arbeit und Verantwortung, über Eingriffe in Natur und Geschichte sowie über die Frage, wie der Mensch seine Welt formt – und von ihr geformt wird.
Die Werkgruppe Spaten und Schaufeln wird an diesem Kunstort ausgestellt sein