MetaSpraygramme

Weiterentwicklung des Negativbildes

Die Werkgruppe der MetaSpraygramme von Thomas Baumgärtel führen das Prinzip der Spraygramme konsequent weiter. Negativformen, Abdrücke und Überlagerungen werden selbst zum Thema und reflektieren den Entstehungsprozess des Bildes und werden mit Metamorphosen der Spraybanane übersprüht.

Die Werkgruppe Spraygramme wird an diesem Kunstort ausgestellt sein
Die MetaSpraygramme von Baumgärtel stellen eine konsequente Weiterentwicklung seiner seit den 1980er-Jahren etablierten Spraygramm-Technik dar, die ursprünglich auf dem Prinzip der Negativform basiert. Während die klassischen Spraygramme durch das Aussparen von Formen und deren Umrissbildung mittels Farbspray entstehen, verschiebt sich in den MetaSpraygrammen der Fokus vom Motiv hin zum Prozess selbst: Negativformen, Überlagerungen und Abdrücke werden nicht mehr nur als Mittel zur Bildgenerierung eingesetzt, sondern treten als eigenständige Bildthemen hervor.
Charakteristisch ist dabei eine komplexe Bildstruktur, die durch Schichtung, Wiederholung und Fragmentierung entsteht. Die ursprünglich klare Kontur der ikonischen Spraybanane wird in den MetaSpraygrammen zunehmend transformiert, variiert und verfremdet. Sie erscheint nicht mehr nur als eindeutiges Zeichen, sondern durchläuft Metamorphosen – wird gedehnt, gebrochen, hybridisiert oder in andere ikonografische Kontexte überführt. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen Wiedererkennbarkeit und Auflösung des Motivs.
Die häufig monochromen, grau strukturierten Hintergründe erinnern an urbane Oberflächen, technische Raster oder fotografische Negative und verstärken den Eindruck eines experimentellen Bildraums. In diesen überlagerten Texturen wird der Akt des Sprühens sichtbar gemacht: Sprühspuren, Verwischungen und Schablonenränder fungieren als Spuren des künstlerischen Eingriffs und verweisen auf die Materialität und Zeitlichkeit des Entstehungsprozesses. Die MetaSpraygramme reflektieren somit nicht nur das Bild, sondern auch seine eigene Genese.
Kunsthistorisch lassen sich die Arbeiten in eine Tradition der prozessualen und konzeptuellen Kunst einordnen, die seit den 1960er-Jahren die Bedingungen von Bildproduktion thematisiert. Gleichzeitig bleiben sie fest in der Ästhetik der Street Art und des Stencils verankert, wodurch sich eine Verbindung von subkultureller Praxis und kunsttheoretischer Reflexion ergibt. Die serielle Variation eines Leitmotivs – der Banane – knüpft zudem an Strategien der Pop Art an, wird hier jedoch durch die Betonung von Negativität und Überlagerung kritisch gebrochen.
Insgesamt markieren die MetaSpraygramme eine Verschiebung vom ikonischen Zeichen zur reflexiven Bildpraxis: Das Bild wird nicht mehr nur als Träger eines Symbols verstanden, sondern als Ort, an dem sich Wahrnehmung, Technik und Bedeutung in einem vielschichtigen Prozess überlagern und gegenseitig kommentieren.