Leben ist …

Spielerische Mehrdeutigkeit

Dieser Werkblock geht auf die Street-Art-Zeit von Baumgärtel Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre zurück. Zu dieser Zeit sprühte er an markanten Stellen Kölns ca. 50 sogenannte „Bananenweisheiten“. Seit 2004 entstehen kurze Sprüche auf Holztafeln, Leinwänden und Objekten zu Missständen wie der Finanzkrise, Politikerskandalen aber auch Alltagsproblemen. Oft liegt gerade in einer gewissen Zwei- oder Mehrdeutigkeit dieser kurzen Aussagen der Reiz dieser Serie.
Die Werkgruppe Leben ist … wird an diesem Kunstort ausgestellt sein
Die Werkgruppe „Leben ist…“ von Thomas Baumgärtel lässt sich als Fortführung seiner frühen Street-Art-Arbeiten verstehen. Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre begann er in Köln, an gut sichtbaren Orten kurze Sätze zusammen mit seiner bekannten Banane zu sprühen. Diese „Bananenweisheiten“ waren bewusst einfach gehalten, oft nur wenige Worte, die sich direkt an die Menschen im Stadtraum richteten. Sie standen im Alltag, nicht im Museum, und lebten davon, dass Passanten sie zufällig entdeckten und für einen Moment darüber nachdachten.
Seit 2004 greift Baumgärtel dieses Prinzip wieder auf, überträgt es aber in neue Formen. Die Sprüche erscheinen nun auf Holztafeln, Leinwänden und verschiedenen Objekten. Dadurch wechseln sie vom öffentlichen Raum teilweise in den Kunstkontext, behalten aber ihren direkten, fast beiläufigen Ton. Inhaltlich beziehen sie sich auf aktuelle Themen wie wirtschaftliche Krisen, politische Skandale oder auch ganz einfache Fragen des täglichen Lebens. Die Arbeiten reagieren damit auf ihre Zeit, ohne kompliziert zu werden.
Typisch für diese Serie ist die Kürze der Aussagen. Oft bestehen sie nur aus einem Satzanfang wie „Leben ist…“, der durch die Banane ergänzt oder gebrochen wird. Gerade diese Offenheit macht den Reiz aus: Die Sprüche lassen sich auf verschiedene Weise lesen. Sie können ernst gemeint sein, ironisch wirken oder auch widersprüchlich erscheinen. Die Banane fungiert dabei als wiederkehrendes Zeichen, das die einzelnen Werke verbindet und ihnen einen spielerischen Charakter gibt.
Kunsthistorisch steht die Werkgruppe zwischen Street Art und Atelierarbeit. Sie behält die direkte Ansprache und den Ortbezug der frühen Graffiti bei, nutzt aber zugleich Materialien und Präsentationsformen, die man eher aus der klassischen Kunst kennt. So entsteht eine Verbindung von öffentlichem Ausdruck und künstlerischer Reflexion. „Leben ist…“ zeigt damit, wie sich einfache Mittel – kurze Sätze und ein klares Bildzeichen – zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Gegenwart und Alltag entwickeln können.