Fotoarbeiten

Zwischen Dokumentation und Performance

Die „Fotoarbeiten“ von Thomas Baumgärtel sind inszenierte Fotografien, die künstlerische Handlungen und Selbstinszenierungen im Moment ihrer Entstehung festhalten und damit zwischen Dokumentation und Performance stehen. Besonders die „Sofabilder“ zeigen Personen auf seinem Bananensofa – oft auf Messen oder im Atelier – vor wechselnden gesprühten Sprüchen und verbinden so Porträt, Kontext und sein charakteristisches Bananenmotiv.
Die Werkgruppe Europablock wird in diesem Haus zu sehen sein
Die Werkgruppe lässt sich kunsthistorisch als Verbindung von Fotografie und Handlung verstehen. Im Zentrum steht nicht die nachträgliche Bearbeitung eines Bildes, sondern eine bewusst inszenierte Situation vor der Kamera. Die Fotografie hält dabei einen Moment fest, der vom Künstler selbst gestaltet wurde – oft unter Einbeziehung seines bekannten Bananenmotivs.
Charakteristisch ist, dass Baumgärtel häufig selbst im Bild erscheint und unterschiedliche Rollen einnimmt. Damit knüpfen die „Fotoarbeiten“ an die Tradition der Performancekunst an, in der die Handlung und die Präsenz des Künstlers entscheidend sind. Die Fotografie fungiert hier als Mittel, diese meist flüchtigen Situationen zu fixieren und in ein dauerhaftes Bild zu überführen.
Eine besondere Ausprägung innerhalb dieser Werkgruppe sind die sogenannten „Sofabilder“. Auf Messen, bei Veranstaltungen oder im Atelier fotografierte Baumgärtel Personen auf seinem Bananensofa. Die Porträtierten – häufig aus dem Kunstkontext, aber auch Besucherinnen und Besucher – werden dabei Teil einer inszenierten, aber zugleich spontanen Situation. Im Hintergrund befinden sich jeweils gesprühte Sprüche, die variieren und den Bildern eine zusätzliche Bedeutungsebene geben. So entstehen serielle Fotografien, die zwischen Porträt, Dokumentation und künstlerischer Setzung oszillieren.
Das Bananenmotiv bleibt auch hier zentral, erscheint jedoch nicht als nachträgliche Ergänzung, sondern als real vorhandenes Objekt oder Zeichen innerhalb der Szene. Dadurch entsteht eine enge Verbindung zu Baumgärtels Praxis im öffentlichen Raum. Inhaltlich kreisen die Arbeiten um Fragen von Identität, Rolle und Öffentlichkeit: Wer wird gezeigt, in welchem Kontext, und wie verändert sich die Wahrnehmung durch die künstlerische Rahmung?
Insgesamt lassen sich die „Fotoarbeiten“ als fotografische Verdichtungen von inszenierten Situationen begreifen. Sie verbinden Handlung, Porträt und ein wiederkehrendes Symbol zu Bildern, die sowohl dokumentarisch wirken als auch die Bedingungen von Kunstproduktion und -präsentation reflektieren.