Editionen
Serielle Ikonografie
Nach einer Kreuzigung einer Banane in einem Katholischen Krankenhaus im Jahr 1983 hat Baumgärtel von seinem ersten Bananen-Urwerk zwei Jahre später eine Installation mit 12 Kreuzen während seines Kunststudiums in Köln an den ehemaligen Kölner Werkschulen gemacht – die ersten Arbeiten in einer Auflage waren somit entstanden. Baumgärtel hat neben seinen bis heute über 3000 Unikat-Werken immer gerne limitierte Auflagen hergestellt – die Spraybanane eignet sich besonders gut dazu, da das Projekt der Markierungen der besten Kunstorte seit 1986 auch eine Art ‘Kunst in Serie’ im Öffentlichen Raum auf Fassaden darstellt. Bis heute gibt es von Baumgärtel über 250 verschiedene Editionen.
Die Werkgruppe Editionen wird an diesem Kunstort ausgestellt sein
Die Werkgruppe „Editionen“ von Thomas Baumgärtel markiert einen zentralen Übergang von der singulären, gestisch aufgeladenen Aktion hin zu einer systematischen, reproduzierbaren Bildsprache und reflektiert grundlegende kunsthistorische Fragen nach Original, Vervielfältigung und öffentlicher Sichtbarkeit.
Im Zentrum steht die Banane als ikonisches Signet, dessen prägnante, reduzierte Form sich ideal für serielle Verfahren eignet – von Siebdruck über Objektmultiples bis hin zu Aufklebern und plastischen Umsetzungen. Durch diese mediale Variabilität wird das Motiv nicht nur formal transformiert, sondern auch semantisch erweitert: Es oszilliert zwischen Bildzeichen, Marke und künstlerischem Code. Kunsthistorisch lässt sich diese Praxis sowohl in der Tradition der Pop Art als auch der Konzeptkunst verorten, insofern Wiederholung hier nicht bloße Reproduktion bedeutet, sondern eine Verschiebung vom auratischen Einzelwerk hin zur Idee und ihrer Distribution.
Charakteristisch ist dabei die Spannung zwischen Standardisierung und Variation. Obwohl das Motiv konstant bleibt, erzeugen unterschiedliche Materialien, Formate und Kontexte jeweils neue Lesarten. Die Banane fungiert somit als visuelles Leitmotiv, das sich in immer neuen Erscheinungsformen aktualisiert und zugleich eine hohe Wiedererkennbarkeit garantiert.
In der massenhaften Zirkulation der Editionen entsteht ein eigenständiges Zeichensystem, das sich zwischen Kunstmarkt, Alltagskultur und urbanem Raum bewegt. Die Multiples unterlaufen traditionelle Hierarchien zwischen Original und Kopie, indem sie den Werkbegriff erweitern und Zugänglichkeit herstellen, ohne ihre konzeptuelle Prägnanz einzubüßen.
Insgesamt zeigt die Werkgruppe, wie Baumgärtel Serialität nicht als Verlust von Aura begreift, sondern als produktive Strategie: Wiederholung wird hier zum Mittel der Verdichtung, Verbreitung und semantischen Aufladung eines künstlerischen Zeichens im sozialen Raum.





