Die Werkgruppe „Bunte Bananen“ markiert eine entscheidende Phase in der Transformation eines ursprünglich subversiven Street-Art-Motivs in einen vielschichtigen malerischen Werkkomplex. Während die von Baumgärtel im öffentlichen Raum gesprühte Banane – meist in der charakteristischen Kombination aus Gelb und Schwarz – als ikonisches Signet fungierte, wird dieses reduzierte Farb- und Formvokabular innerhalb der Werkgruppe systematisch erweitert und reflektiert.
Kunsthistorisch lässt sich diese Serie als eine Verschiebung vom ephemeren, ortsspezifischen Eingriff hin zur autonomen Bildproduktion verstehen. Die Banane, ursprünglich als ironisches Qualitätssiegel für Kunstorte eingesetzt, wird hier zum seriellen Bildgegenstand, der in variierenden Konstellationen, Überlagerungen und Rhythmisierungen erscheint. Die Arbeiten auf Leinwand und Papier zeigen eine deutliche Auseinandersetzung mit Prinzipien der Pop Art – insbesondere der seriellen Wiederholung und der Motivikonisierung – während zugleich gestische Elemente und Farbspritzer an Strategien des Action Painting erinnern.
Auffällig ist die Erweiterung der Farbpalette: Das vormals dominante Gelb-Schwarz wird durch ein breites Spektrum intensiver, oft kontrastierender Farben ergänzt. Diese Polychromie führt zu einer Dynamisierung des Motivs und unterläuft zugleich dessen ursprüngliche Signalhaftigkeit. Die Banane verliert ihre eindeutige Funktion als Marker und wird stattdessen zum offenen Zeichen, das zwischen Ornament, Symbol und ironischer Selbstreferenz oszilliert.
In vielen Arbeiten verdichten sich die Bananen zu nahezu abstrakten Bildfeldern, in denen Figur und Grund miteinander verschmelzen. Rasterartige Anordnungen oder horizontale Gliederungen verweisen dabei auf Präsentationsformen wie Regale oder Displays und rufen Assoziationen zur Warenästhetik und zur Serialität industrieller Produktion hervor. Gleichzeitig bleibt der gestische Auftrag sichtbar, wodurch eine Spannung zwischen kontrollierter Wiederholung und spontaner Expressivität entsteht.
Insgesamt kann die Werkgruppe „Bunte Bananen“ als Reflexion über Autorschaft, Zeichenhaftigkeit und die Institutionalisierung von Street Art gelesen werden. Baumgärtel überführt sein ikonisches Motiv aus dem urbanen Kontext in den kunstinstitutionellen Raum und unterzieht es dort einer malerischen und konzeptuellen Revision, die zwischen Ironie, Kritik und ästhetischer Selbstbefragung changiert.